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Mittwoch, 6. Juni 2012

vergessene Orte


Ich weiß nicht, wer von euch meine Leidenschaft für verlassene und vergessene und gern auch etwas unheimliche Orte und Häuser teilt und wie es euch dabei geht, wenn ihr in den Mauerresten herumkriecht... ich schwanke immer zwischen dem Bedauern, die Objekte dem Verfall preisgegeben zu sehen und der Begeisterung, solche Plätze entdecken zu können.
Wenn es denn wenigstens "nur" der Verfall wäre, leider ist es oftmals ja mehr der hirnlose Vandalismus, der den Gebäuden zusetzt...

Das Gebäude auf dem oberen Bild zeigt den Marstall des "Weißen Schlosses am Meer" Dwasieden vor Saßnitz.  An der Gebäuderückseite ist im Mittelrisalit ein wunderschöner plastischer Pferdekopf erhalten, im Inneren stehen Reste von schlanken eisernen Säulen. Bis 1999 gab es auch noch ein schützendes Dach, bis besagter Vandalismus dazu führte, dass ein Großteil einem Brand zum Opfer fiel.  Dwasieden ist recht jungen Datums - erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Stile des Historismus errrichtet - und muß seinerzeit ein wirklich wunderschönes Haus mit großartiger, zum Teil formal angelegter Parkanlage gewesen sein. Aus Urheberrechtsgründen poste ich hier keine weiteren Bilder, aber wer google bemüht, wird schnell fündig werden (es lohnt sich!)... auch eine genaue Anreisebeschreibung wird es hier nicht geben, da ich nicht öffentlich zum Entern von Zäunen und Absperrungen aufrufen möchte. Ich sage nur: wer suchet, der findet und wer nicht wagt, der nicht gewinnt ;))

Das Haus auf der unteren Collage ist in noch schlimmerem Zustand (obwohl... darüber ließe sich streiten, beides schlimm).
Das ehemalige Herrenhaus Lipsitz bei Thesenvitz (ebenfalls Rügen). Derart schlichte Herrenhäuser gibt es recht viele auf Rügen und wie dieses sind leider ebenso viele vergessen, kaum noch auffindbar (Feldwege....) und von der Substanz eigentlich nicht mehr zu retten. Vom Kern her stammt dieses aus dem 18. Jahrhundert, hat im 19. Jahrhundert einige Um- und Ausbauten erfahren  und diente, nachdem die Eigentümer Familie von der Lancken-Wakenitz 1945 enteignet wurde, als Flüchtlingsunterkunft. Noch bis 1998 bewohnt, bewirkte ein danach begonnener Umbau jedoch mehr Schaden als Nutzen und seitdem verfällt das Gebäude... da hab dann sogar ich mich nicht mehr hineingetraut.


Kommentare:

  1. Ich finde solche verlassenen Häuser und Paläste sehr interessant, in das zweite hätte ich mich aber auch nicht mehr hineingetraut, das sieht schon sehr gefährlich aus.
    Das erinnert mich an zwei Villen in meiner alten Heimat. Das eine wa eine wunderschöne uralte Villa aus der Mitte des 19. JH. mit Türmchen und Erkern. Zuletzt bewohnt von einer sehr alten Dame, die die letzte Erbin der ehemaligen Fabrikantenvilla war. Die Erbengemeinschaft stellte es dann zum Verkauf, doch leider war es bereits einsturzgefährdet. Sonst hätte ich damals zugeschlagen, denn sooo teuer war es gar nicht, aber die Sanierungskosten hätten mich aufgefressen. Schade, es war eine richtige Dornröschenvilla.
    Das andere ist eine hochherrschaftliche Fabrikantenvilla, sehr groß und 6geschossig. Leider in den 80ern als Asylantenheim mißbraucht und total verkommen, doch man kann die einstige Pracht noch immer sehen. Inzwischen ebenfalls leerstehend da einsturzgefährdet und es gibt keine Investoren dafür und der Besitzer, die Stadt selbst, hat kein Geld dafür. Jetzt will sie erst recht keiner mehr haben, da in den letzten Jahren um diese Villa ein häßliches Industriegebiet entstanden ist, nachdem die Stadt den drumherum liegenden Grund nach und nach verkauft hat. Diese Villa ist ein ewiges Ärgernis für die Stadt, abgerissen soll sie nicht werden weil sie ein Kulturgut darstellt, Geld für die Sanierung ist nicht da und der einzige potentielle Investor ist vor Jahren abgesprungen.
    Ich bedaure sehr, wenn solche einmaligen Prachtbauten dem Verfall preisgegeben werden. Wir leben selbst in einem 109 Jahre alten Haus, das wir sehr lieben.

    Viele liebe Grüße,
    Tanja

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  2. Liebe Maren,
    oh ich teile Deine Leidenschaft, wobei manchmal wirklich die Betonung auf "Leiden" liegt. Mir blutet jedesmal das Herz, solch' wunderschöne Gebäude dem Verfall preisgegeben zu sehen und noch schlimmer, wenn sie durch Abriss ganz verschwinden. Umso schöner, wenn es dann doch tatsächlich mal Investoren gibt, die der alten Seele wieder Leben einhauchen. Wir selbst haben da Glück gehabt. Bei Hausbau sahen die Nachbargebäude noch grau und verlassen aus. Doch ich hatte Hoffnung, dass jemand diese Perle restaurieren würde und nun wohnen wir in herr(schaft)licher Umgebung. Hier mal ein Blick durch unseren Garten:
    ttp://apropos-apropos.blogspot.de/2012/05/ein-gedichtversuch-maien-end.html
    Mit ganz lieben Grüßen aus Mecklenburg, Carola

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  3. Ja, es ist immer schade, wenn so schöne Häuser dem Verfall preis gegeben werden müssen, weil der Unterhalt einfach zu teuer ist, oder weil kein Mensch weiß, wozu man es denn nutzen könnte. Ich male mir dann gerne aus, wie ich darin wohnen würde. Aber häufig sind solche Häuser ja auch am A... der Welt...
    Aber träumen kann man ja...
    Lieben Gruß
    Ursel

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  4. Liebe Maren,

    ich teile deine Leidenschaft für alte verlassene und vergessene Häuser und Gemäuer. Bei jedem Ausflug müssen wir anhalten, wenn ich ein leerstehendes Gebäude sehe, dann heißt es anschauen, evtl. auch einsteigen und definitiv träumen. Danke für die schönen Bilder und die vielen Informationen dazu. Ach wie schade, dass kein Mensch die Lust, das Geld und die Visionen hat, dieses Schloss wieder zum Leben zu erwecken, indem man zum Beispiel direkt an diese wunderschöne Fassade neu ranbaut. In Bremen haben sie das mal mit einer historischen Fassade gemacht. ... träum...

    liebe Grüße
    Tara

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Dankeschön, daß du dir die Zeit nimmst und hier ein paar Worte hinterläßt...